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Keine Chance für gute Schulen
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Letzte Chance für gute Schulen (Gebundene Ausgabe) Wössmann gliedert sein Buch in 12 Irrtümer, nach deren Korrektur gute Schulen entstehen. Dem Leser dürfte auffallen, dass er in der öffentlichen Diskussion von einigen dieser Irrtümer noch nie gehört hat. Wer zum Beispiel hätte je geglaubt, dass national standardisierte Prüfungen schlecht für die Lehre sind oder dass Appelle an Moral und Ideale der am Schulleben Beteiligten Schule verbessern können? Einige seiner 12 Irrtümer klingen im Inhaltsverzeichnis noch recht absolut und werden dann bei genauerer Lektüre relativiert. Die als Irrtum bezeichnete Gleichung "mehr Geld = bessere Schüler" liest sich später eher so: "Geld allein macht Schule nicht besser". Eine zweite Gleichung: "Kleinere Klassen = bessere Schüler" wird mit einem "Totschlagargument" zum Irrtum erklärt: "Gute Lehrer haben keine Probleme mit großen Klassen". Wer jetzt noch nach kleinen Klassen ruft, disqualifiziert sich als schlechter Lehrer. Wössmann plädiert für den Übergang von Mythen zu Fakten. Die Mythen führen zu den genannten Irrtümern und die Fakten sind die PISA-Ergebnisse. Wer die Bildungsdiskussion aufmerksam verfolgt, weiß, dass die PISA-Ergebnisse selbst Anlass zu allerlei Mythen gegeben haben. Um Fakten kennen zu lernen, sollte sich Wössmann in die Rolle eines Lehrers begeben und den tatsächlichen Alltag unserer Schulen von innen heraus erfahren. Das ist aber offenbar nicht seine Welt. Ihm genügen Fakten, die er aus einem Elfenbeinturm heraus wahrnimmt. Wössmann gehört offenbar zu den Befürwortern eines möglichst lange währenden gemeinsamen Lernens in möglichst heterogenen Gruppen. Was er aber - wie es scheint - nicht weiß, ist dass die Frage der Mehrgliedrigkeit unseres Schulsystems am eigentlichen Problem (mit voller Absicht der Diskutierenden) vorbeigeht. Wenn es nämlich gelänge, alle Schüler in ihren Neigungen und Begabungen zu fördern, dann wäre es gleichgültig, ob dies unter einem Dach oder unter drei Dächern geschieht. Wenn wir die personelle, räumliche und sonstige materielle Ausstattung in den Schulen hätten, die es ermöglicht, die einen stärker zu fordern und die anderen stärker zu fördern, dann eröffnete sich die "Chance für gute Schulen". Kinder mit Migrationshintergrund werden bei uns übergangslos aus dem heimatlichen Umfeld kommend in deutsche Schulen gesperrt. Kinder mit leichten Lernbehinderungen sollen neben Hochbegabten sitzen und die gleichen Klassenarbeiten schreiben. Dafür hat Wössmann eine ganz patente Lösung im Hut: "Ein guter Lehrer hat damit keine Probleme". Immerhin erkennt Wössmann, dass der Computer keine Geheimwaffe gegen schlechte Schulen sein kann und dass Tafel und Kreide ihre Daseinsberechtigung haben. Leider gelingt es ihm nicht, den Computereisatz genügend differenziert zu betrachten. Er kennt im Wesentlichen nur Lernprogramme. Der Computer als Lexikon, als Tabellenersatz, als Formelsammlung und last not least als Apparatur für intellektuelle Experimente kommt in Wössmanns Sicht nicht vor. Die Nutzungsmöglichkeiten von Computern sind ihm offenbar ebenso wenig vertraut, wie die Innenansichten von Schulen. Warum wollen wir uns von einem Wissenschaftler auf der Basis von Zahlen, bereinigten Zahlen, interpretierten Zahlen erklären lassen, wie gute Schule geht, wenn dieser Wissenschaftler die Schule gar nicht ausreichend von Innen kennt? Das Innenleben der Schule besteht weniger aus Zahlen sondern vielmehr aus Menschen und vor allem jungen Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, Neigungen, Vorerfahrungen und Begabungen. All diesen verschiedenen jungen Menschen muss Bildungsgerechtigkeit widerfahren. Dafür gibt es keine Patentrezepte sondern einen ganzen Pool an unverzichtbaren Voraussetzungen, die von der Politik nicht geschaffen werden - auch, weil sie sich von Wissenschaftlern wie Wössmann beraten lässt.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 18. Juli 2010 | | |
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