|
| Vorsicht Bildschirm ! Der Einfluss von Bildschirm-Medien auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von
|
| |
Fundierter Überblick unterhaltsam und aufrüttelnd
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Vorsicht Bildschirm ! Der Einfluss von Bildschirm-Medien auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (DVD) Vorsicht Bildschirm! Konsum elektronischer Medien und deren Folgen für die Gehirnentwicklung - Versuch einer Zusammenfassung
Nachdem mir wieder einmal ein Schüler der achten Klasse erklärt hat, dass es jetzt Studien gibt, die zeigen, dass Computerspielen bis 2 Stunden täglich gut für Kinder sei, habe ich mich endlich aufgerafft, die schon lange wartende Zusammenfassung des Vortrags von Hirnforscher Professor Dr. Spitzer zu schreiben.
Zunächst muss klar gestellt werden, dass unser Hirn immer lernt. Lernen ist also keine bewusste Entscheidung an sich, sondern man entscheidet, WAS man lernt. Spitzer gibt einen Crash-Kurs in Hirnforschung, wobei er erläutert, dass der Vorgang, den wir Lernen nennen, auf das Gehirn bezogen nichts anderes ist, als die Spuren der Informationen, die wir verarbeiten.
Dabei gilt, dass diese Spuren umso ausgeprägter sind, desto häufiger eine Information verarbeitet wird und je emotional aufgeladener das Erleben der Erfahrung ist. Wie jeder leicht aus eigenem Alltag nachvollziehen kann, prägen wir uns Dinge, die uns große Freude bereitet haben, aber auch große Schmerzen, körperlich und seelisch, für alle Zeiten ein. Eben unvergessliche Erlebnisse.
Hirnorganisch beschreibt Spitzer den Lernvorgang mit dem Entstehen eines Trampelpfades auf einer verschneiten Wiese. Die Wiese sind die Millionen von Synapsen im Hirn, die jeweils für eine Teilinformation stehen. Durch die Informationsverarbeitung werden die Synapsen verbunden, also vernetzt.
Im Bild der Winterwiese: Läuft nur einmal eine Person von A nach B darüber, ist die Spur bald wieder verweht. Laufen jedoch mehrere Personen immer wieder die gleiche Strecke, wird aus der Spur ein Trampelpfad und schließlich ein Weg. Die Hirnforscher sprechen daher auch davon, dass Verarbeitungsmuster im Hirn gebahnt werden. Die Verbindung zwischen Synapsen wird messbar dicker. Je tiefer diese Bahnung erfolgt ist, desto schneller und sicherer ist die Information abrufbar.
Auf eben diese Weise entstehen also unsere Denkroutinen. Auch dafür lassen sich beliebig viele Beispiele im Alltag finden. Besonders klar wird die Prägung dann, wenn man schon gar nicht mehr bewusst erlebt, wie man eine Routine durchläuft, etwa wenn man nicht mehr weiß, wie man nach Hause gekommen ist (ohne Drogen) oder man nachher nicht mehr sicher ist, ob man abgeschlossen, ausgeschaltet etc. hat.
Zusammengefasst heißt das also, vollkommen egal, welche Informationen ich dem Hirn liefere, diese werden durch Wiederholung gebahnt. Beim aktiven Lernen nennt man das Üben, im Sport auch Automatisieren ' Reflexe ausbilden.
Nun zurück zum Thema Bildschirmmedien. Spitzer bezieht sich in seinem Vortrag auf eine Langzeit-Studie aus Neuseeland, die im Fachmagazin Lancet 2004 veröffentlicht wurde (Ausschnitt zum Thema jugendlicher TV Konsum und erwachsenem Körpergewicht: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2804%2916675-0/abstract). Deren Befunde kann man schon mit den Grundkenntnissen des oben gegebenen Einblicks in die Funktionsweise des Hirns vorhersagen.
Zunächst einmal zeigen deutsche Statistiken, dass Kinder hierzulande durchschnittlich 7-8 Stunden schlafen, also ca. ein Drittel des Tages. An zweiter Stelle kommt mit rund 5,5 Stunden täglich der Konsum von Bildschirmmedien. Dabei lässt sich unterteilen in 3,5h TV und 2h PC. An dritter Stelle kommt die Schule mit ca. 4-4,5h (alles auf 7-Tage-Woche berechnet). Anders ausgedrückt ist die größte Quelle für Informationen (immer im Sinne von Daten unabhängig vom Inhalt) der Bildschirmkonsum.
Die erwähnte Studie aus Neuseeland hat über 1000 Neugeborene erfasst und über dreißig Jahre begleitet, umso Erkenntnisse über die Zusammenhänge von kindlichem und jugendlichem Verhalten und dem erwachsenen Menschen in jeder Hinsicht zu gewinnen. Ohne die einzelnen Zahlen der Statistiken aufzulisten, lassen sich folgende Zusammenhänge erfassen: je mehr TV-Konsum zwischen 5 und 15 Jahren, desto mehr Übergewicht hatten die Probanden; desto häufiger waren sie Raucher, desto schlechter war ihre allgemeine Fitness mit 30 Jahren.
Schon rein biologisch lassen sich diese Beobachtungen erklären. Fernsehen verbraucht messbar weniger Energie also Schlafen. Zusätzlich gehört für viele zum Fernsehvergnügen hochkalorische Nahrung wie Chips, Erdnüsse und Süßigkeiten. Die in der Jugend geprägten Gewohnheiten sammeln folglich rein stoffwechselmäßig über die Jahre den Speck.
Weitere Ergebnisse der Studie kurzgefasst:
* je höher der TV-Konsum mit 1 Jahr, desto sicherer und häufiger ADS mit 7 Jahren * je höher der TV-Konsum mit 5 Jahren, desto sicherer und häufiger Lese-Rechtschreibstörungen mit 8 Jahren * je höher der TV-Konsum bis 5 Jahre, desto niedriger der Bildungstand und soziale Status mit 30 Jahren
Zum letzten Punkt etwas ausführlichere Daten: TV-Konsum mit 5 Jahren
* unter 1 Stunde täglich: ca. 40% Uni-Abschluss, ca. 40% Berufsabschluss, ca. 10% ohne Qualifikation * 1 bis 2 Stunden tgl.: ca. 25% Uni-Abschluss, ca. 45% Berufsabschluss, ca. 5% ohne Qualifikation * 2 bis 3 Stunden tgl.: ca. 20% Uni-Abschluss, ca. 40% Berufsabschluss, ca. 15% ohne Qualifikation * über 3 Stunden tgl.: ca. 8% Uni-Abschluss, ca. 40% Berufsabschluss, ca. 25-30% ohne Qualifikation
Wie oben genannt befinden sich durchschnittliche deutsche Jugendliche in der letztgenannten Konsum-Gruppe. Spitzer weist ausdrücklich Einwände zurück, dass die Ergebnisse vom IQ abhängig seien, oder vom sozialen Status der Eltern. Diese Faktoren wurden bei den genannten Ergebnissen bereits herausgerechnet. Daher die nicht vollständigen Prozentsummen.
Aufbauend auf den Grundlagen zur Hirnfunktion erklärt Spitzer diese negativen Folgen aus Sicht der Hirnforschung wie folgt. Es ist Allgemeingut, dass die Kindheit die Grundlagen für das Begreifen der Welt und den späteren Umgang mit ihr legt. Auch schon vor der modernen Hirnforschung wiesen Sprüche wie die vom Hänschen und Hans darauf hin. Wenn nun ein Kind diese prägenden ersten Erfahrungen mit der Welt über Bildschirmmedien macht, nimmt es Informationen über nur zwei statt fünf mögliche Sinne auf, über Sehen und Hören. Jeder kennt den ausgeprägten Trieb kleiner Kinder, alles anfassen und noch besser in den Mund stecken zu müssen. Es wird betastet und beklopft, geworfen und beschnüffelt. Dabei werden im Hirn alle Sinneseindrücke zum betreffenden Gegenstand und Erlebnis gespeichert, und zwar verbunden mit dem dazugehörigen Begriff. Hört man das Wort >Apfel<, sollte man ein Bild, einen Duft, ein Geräusch und ein Tastgefühl für Oberfläche, Form und Gewicht erinnern können. Ein starker Sinneseindruck wie Duft oder Bild kann ganze Erlebnisse wieder wachrufen. Genau das ist die vernetzte Information im Hirn.
Nun holen sich die sogenannten Durchschnittskinder in Deutschland (und anderswo) ihre Erfahrungen über ihre Umwelt und die Menschen größtenteils über das Sehen von unscharfen flackernden Bildern und das Hören von Geräuschen aus mehr oder weniger schlechten Lautsprechern. Zum einen werden auf diese Weise die anderen Sinne nicht oder kaum geschult und verkümmern. Das zeigt sich in verkümmerter Feinmotorik, man schaue sich Handschriften an. Zum anderen wird Sprache nicht mit umfassendem Erleben vernetzt. Dies zeigt sich im unterentwickelten Ausdrucksvermögen, im Schwer-Begreifen von Zusammenhängen in der Realität, und schließlich in entsprechenden Schulnoten. Spitzer merkt dazu an, dass sich zeigen lässt, dass durchschnittlich intelligente Kinder wesentlich stärker beeinträchtigt werden, also überdurchschnittlich intelligente Altersgenossen. So geht die Schere also noch weiter auseinander. Aus diesen Schulnoten ergeben sich wiederum die oben genannten Statistiken zu Qualifikationen und daraus folgend zum sozialen Status. Ganz kurz gefasst ist hiermit nachgewiesen und immer wieder aus der Funktionsweise des Gehirns nachvollziehbar, dass die Ausprägung des Bildschirmkonsums als Heranwachsender meinen späteren sozialen Status vorherbestimmt, sieht man von Erbschaften und anderen Schicksalsschlägen einmal ab.
Wie Spitzer pointiert feststellt, wurde bisher kein einziges Wort über die Inhalte beim Bildschirmkonsum gesagt. Es ging ausschließlich um Wahrnehmung und Datenverarbeitung im Hirn.
Mit den gegebenen Erläuterungen lässt sich nun auch leicht ableiten, welche Konsequenzen die Inhalte haben. Zu den erwähnten unzähligen Stunden geringen Energieverbrauchs und der Sinnesverarmung beim Bildschirmkonsum kommen die Tausenden Wiederholungen von Werbespots zu hochenergetischen Lebensmitteln, die eben auch ihre Spuren ins Hirn bahnen. Das Ergebnis teste ich immer wieder gern beim Thema Werbung im Ethikunterricht: Schüler (und nicht nur die) können in Perfektion Werbeslogans vervollständigen, dem Produkt oder der Marke zuordnen und oft auch noch den Jingle dazu summen. Der Spruch >Das ist ja wie im Film / Kino / Fernsehen!< zeigt, woher wir unsere Vergleichsmaßstäbe nehmen.
Wenn laut Spitzer 80% des deutschen Fernsehprogramms nun Gewalt zum... Lesen Sie weiter... ›
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 5. April 2011 | | |
| | | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
| |
Angebote zu , , ab 1 Euro!
|
| Siehe auch folgende Artikel: |
|
| | | Vorsicht Bildschirm!: Elektronische Medien, G... Erfolgreich lernen in Kindergarten und Schule Lebe lang und schlau und werde glücklich, D... Spitzer, Manfred: Selbstkontrolle: Warum tu... Wie Kinder denken lernen: Diese Sonderausgabe... Wir lernen immer - Gehirnforschung und die...
|
| |
|
| | Home ..., , Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von |
|
| The domain name vortrag.net is for sale or rent! For more information look at DomainDorado.com ... | Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |